Wo ist das Rezept geblieben
Von den Plätzchen, die wir lieben?
Wer hat das Rezept
Verschleppt?

Fragt man sich auch in diesem Jahr wieder und startet die Suche aus Sicherheitsgründen bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Backen. Wer Böses unterstellen würde, könnte jetzt wohl behaupten, die Rezepte wären „absichtlich“ versteckt worden. Natürlich ist dem nicht so und das wertvolle Papier liegt wie jedes Jahr rechtzeitig zur Zutatenplanung bereit. Nun beginnt der mathematische Teil der Weihnachtsbäckerei. Nachdem schon seit etwa Mitte Oktober an der Plätzchensorten-Planung gefeilt und lebhaft diskutiert wurde, stehen immerhin schon einmal die diesjährigen Kandidaten fest. Damit auch wirklich alles reicht, wird hierbei ein ordentlicher Plätzchenpuffer eingeplant. Die hierfür notwendigen Zutaten werden im Laufe der „Back-Woche“ nach und nach mit dem Schwertransporter von A (Großmarkt Metro) nach B (Bad Cannstatt) transportiert, mit schmerzverzerrtem Gesicht in den dritten Stock getragen, fachmännisch verstaut und – so gut wie möglich – bei jedem Betreten der Küche ignoriert.

Bereits um halb Zehn Uhr morgens am folgenden Tag ist es damit aber erst einmal vorbei. Während Markus schon seit einiger Zeit auf den Beinen ist und sämtliche Folter- hoppla, Backutensilien bereitstellt, tauchen nach und nach die restlichen Weihnachtsbäcker auf. Mit im Gepäck: echte schwäbische Hausmannskost, also Brezeln, um das Verlangen nach Salzigem zu stillen. Auch mit im Gepäck: Baraa, der im September seine Ausbildung begonnen hat und mit den (nur halb im Scherz) gesagten Worten „wer durch die Probezeit kommen will, der muss backen“ auf das kommende Wochenende eingestimmt wurde. Nichtsahnend gesellt er sich zu den beiden Kat(h)rins, die im Bereich „Brödle backen“ inzwischen schon alte Hasen und dementsprechend vorgewarnt sind. Selbst die Nachbarn wissen Bescheid und stellen nach einer Begegnung im Treppenhaus fest „ihr seid doch bestimmt zum Backen da!“ Es muss der Gesichtsausdruck sein. Nach einigem Sortieren, einer kurzen Lagebesprechung und dem gemeinschaftlichen Beschluss keine Weihnachtsmusik zu hören, geht es dann schließlich an den Teig.

Brauchen wir nicht Schokolade
Zucker, Nüsse und Succade
Und ein bisschen Zimt?
Das stimmt

Der feste Vorsatz: „dieses Jahr vergessen wir aber wirklich keine Zutat!“ Nicht, dass uns das schon einmal passiert wäre, wo denkt man nur hin… aber sicher ist sicher! Und so wird jedes einzelne Rezept noch einmal akribisch gelesen, durchgerechnet und die jeweilige Zutatenmenge einem äußerst kritischen Blick unterzogen, bevor es dann aber wirklich losgeht. Währenddessen darf der erste, bereits am Vortag geknetete Teig, den Outdoor-Kühlschrank verlassen und in allerlei hübsche Formen gestochen werden. Der Innovation „Ausstechmatte“ verdankt man hierbei, dass die nicht unbedingt beliebte Sorte Ausstecherle ohne größere körperliche Schäden verarbeitet werden kann.

Sind die Plätzchen, die wir stechen
Erstmal auf den Ofenblechen
Warten wir gespannt
Verbrannt

Dieses Schicksal widerfährt zum Glück weder den Ausstecherle noch den anschließend gebackenen Schokostangen, die sich schon aufgrund ihres Schokoladengeruchs und der Tatsache, dass sie nicht ausgestochen werden müssen, großer Beliebtheit erfreuen. Zwischendurch wird nun die eine oder andere Brezel-Pause eingelegt, um wenigstens für ein paar Minuten dem süßen Plätzchengeruch zu entfliehen. Sogar selbsterklärte Nicht-Fans lassen dabei das Salz auf der Brezel. Frisch gestärkt geht es schließlich wieder ans Werk und somit zurück in die Saunalandschaft Küche.

Butter, Mehl und Milch verrühren
Zwischendurch einmal probieren
Und dann kommt das Ei (pass auf)
Vorbei

Ei ist hierbei das passende Stichwort. Nach dem Lesen der benötigten Menge an Eigelb hört man ein leises Seufzen von Seiten Markus. Zu lebhaft ist noch die Erinnerung an das Eier trennen im Vorjahr. Aber einige großhandelsübliche Eierkartons später ist auch diese Aufgabe gemeistert und es kann an das Verarbeiten des nächsten Teiges gehen.

Bitte mal zur Seite treten
Denn wir brauchen Platz zum Kneten

Kurzerhand werden also die schon vom Vortag sehr in Mitleidenschaft gezogenen Fingerknochen sortiert und, nach einem letzten wehmütigen Blick auf diverse Zutatenfluten, in der jeweiligen Plätzchenmasse für die Zimtkugeln versenkt. Es hilft ja alles nichts – selbst die stärkste Küchenmaschine hätte hier keine Chance. Bei dieser Plätzchensorte wurde selbstverständlich nicht auf die traditionelle Sternform verzichtet, weil es zu aufwändig oder gar zu klebrig wäre sondern weil man für frischen Wind an der Zimtplätzchenfront sorgen möchte. Mit Einweghandschuhen bewaffnet geht es also an das Rollen der Kugeln und der anschließend aufgesetzten Eisschnee-Haube. Zu Mürbteig und Schokolade gesellt sich nun ein durchdringender Zimtgeruch. Währenddessen reift der Entschluss, ein herzhaftes Abendessen zu sich zu nehmen und dementsprechend für Verpflegung zu sorgen.

Man spielt bereits mit dem Gedanken, Baraa habe per Auto die Flucht ergriffen, als er mit prall gefüllten Tüten in der Wohnungstür steht. Letztere verbreiten einen herrlichen nicht süßen Geruch und sind somit gern gesehene Gäste. Nach dem Verzehr diverser überaus leckerer Gerichte des arabischen Imbisses unseres Vertrauens ist man nun gestärkt, um die letzte Runde einzuläuten: das Ausstechen der „Butter-S“. Aus Süddeutschen Gefilden rückt hierfür sogar noch einmal Verstärkung an. Markus´ Frau Monika unterstützt, nach einer umfassenden und für gut befundenen Qualitätskontrolle der bereits verarbeiteten Leckereien, tatkräftig bei der Plätzchen-Logistik. Und schließlich ist auch diese Sorte verarbeitet und darf über Nacht ruhen um am nächsten Morgen gebacken zu werden. Die Weihnachtsbäckerei leert sich nach und nach und die Bäcker begeben sich auf den Heimweg, um eine wohlverdiente Mütze Schlaf zu bekommen, bevor es am nächsten Tag weitergeht.

Und wenn Sie sich nun wundern, was wir an Tag zwei so angestellt haben, hier die Kurzfassung:

  • Mit Schokobroten gekämpft, deren Anteil an Herzhaftem (Brot) nicht das hält, was er verspricht.
  • Den falschen Heidesand in richtige Plätzchen verwandelt.
  • Verziert, verziert, verziert… Ausstecherle und Schokostangen bekommen ihre jeweilige Schokoladenverzierung.
  • Zwischendurch: leckeres italienisches Essen verspeist, um die beachtliche Mengen an „untauglichen“ Plätzchen auszugleichen, die aus Qualitätsgründen gegessen werden mussten.

Am Sonntagmorgen taucht übrigens die (etwas kleinlaute) WhatsApp-Nachricht „Wir haben dieses Jahr nicht zu viel. Wir haben viel zu viel!!!“ von Seiten Markus im gemeinschaftlichen Gruppenchat auf. Und es wird der Entschluss gefasst, nächstes Jahr aber wirklich einmal weniger zu backen. Der aufmerksame Mitarbeiter lässt diesen Beschluss unkommentiert, man kennt das mit den guten Vorsätzen ja schon …

Wir nutzen das Stichwort „gute Vorsätze“ und wünschen Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen ebenso guten Rutsch in das Jahr 2019! Unser guter Vorsatz für das kommende Jahr ist es übrigens, Sie auch weiterhin bei tollen Projekten zu begleiten und unsere Plätzchen-Menge (vielleicht) etwas zu reduzieren.

Schöne Feiertage
Ihre Weihnachtsbäcker/innen

Katrin, Kathrin, Baraa & Markus
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